Die treueste aller Seelen aber ist die Einsamkeit; und einen anderen Maßstab an eine Geliebte hätte ich nie gehabt.
2023/03/22
Die treueste aller Seelen aber ist die Einsamkeit; und einen anderen Maßstab an eine Geliebte hätte ich nie gehabt.
2023/03/22
Die Müdigkeit ist die Umarmung der Einsamen; einzig die Geborgenheit der Nacht ist ihre Geliebte.
Wenn ich nachts durch Länder fahre, längst todmüde bin, doch noch von einem zum anderen kommen mag, mutet jeder Rastplatz, der da von Bäumen gesäumt still und verlassen neben der Straße ruht, an, als sei er mir das schönste Bett der Welt. Und er wäre, doch ist die Zeit noch nicht reif, dass ich, vom Tage und meiner Reise erschöpft, anhalten und im wohlig-warmen Schlafsack meinen Segen finden werde. Die Müdigkeit aber ist etwas Wunderschönes, bin ich doch dem Gefühl von Geborgenheit nie nähergekommen, als auf diese Weise. Es ist einzig die Nacht, die sich an mich schmiegt.
2023/03/20
In der Nacht, alleine am Meer, scheint mir die ganze Welt fern. Aber nicht so, dass es mich stören würde, sondern als wär’s das größte Glück der Welt. Und Du, glaubst Du, dass es so etwas tatsächlich gibt? Ich meine, das größte Glück der Welt. Glaubst Du das?
Kennst Du sie, diese Nächte, Nächte am Meer, in denen selbst der nächste Leuchtturm, gleich wie unbeirrt er seinen Lichtkegel wieder und wieder auswerfen mag, nicht minder fern scheint wie Mond und Sterne? So fern, wie überhaupt alles,- und ein jeder? Küstennächte sind das, denen vorangegangen war, dass ich kurz nach Sonnenuntergang die Klippen hinaufwanderte, dort oben wieder auf Zivilisation stieß, doch abgesehen von etwas Hundegebell alles weit und breit verlassen vor mir lag. Frühling war’s, die Luft kühlte rasch ab, war klar und doch lag der Duft der Wiesen, der Wälder …
Was ist das alles schon, wenn nichts weiter als der Gedanke eines Menschen, für den das größte Maß an Vertrautheit bedeutet, einsam zu sein?
2023/03/14
Als ich Kind war
hab‘ ich gedacht
überall wo’s schön ist
in und auf der Welt
müsst‘ auch gleich ein andrer‘
noch (mit mir) sein.
Heute bin ich Kind nicht mehr,
weiß dafür wohl,
dass Schönheit selten verlangt
nach mehr als einem.
2023/03/10
Übernachtungen, fern der Heimat
müde und sehnsüchtig
wie Umarmungen zweier Liebender.
2023/02/25
War ich nun ein Leben lang verkannt worden;
oder doch von Geburt an als Unbedeutender enttarnt?
2023/02/25
Längst fühlt es sich an, als müsste ich ein Leben weit gehen, um wieder ans Meer zu gelangen. Das Meer, an dem ich zuhause gewesen war, meine Tage und Nächte, einzig vom Rauschen begleitet, verbrachte. Wie viele solcher Leben habe ich wohl gelebt, in all den Jahren? Leben, die sich anfühlten, als wäre ich stets von einer Einsamkeit in eine andere gewandelt. Woher nur nahm ich die Kraft, schien ich doch schon so lange über meine Verhältnisse gelebt zu haben, so wie wir alle das tun, die wir einsam geboren, und einsam geblieben sind.
2023/02/21
Wenn an meiner statt
an meinem Grabe ein anderer stünde
und um mich weinte,
bliebe mein Leben ein Versagen.
2023/02/11
Des Träumers Herzen ruht nicht nachts,
schläft nicht, verstummt nicht,
schlägt stattdessen schneller und schneller
fern jeder Vernunft aller Kraft und Tage verschwendend
bleibt doch zum Träumen Zeit nie genug.
2023/02/08