Wenn Du wüsstest, wie einsam’s hier ist – würdest Du’s ja doch nicht glauben.
2026/07/16
Kennst Du das? Oder: Du, das bist nicht Du.
Wenn Du wüsstest, wie einsam’s hier ist – würdest Du’s ja doch nicht glauben.
2026/07/16
Erinnerst Du Dich, wie ich Dich eines Nachts einmal zu den Bootsanlegestegen mitnahm, die ich irgendwann in den Wochen zuvor auf einem einsamen Streifzug entdeckt hatte? Die große Eisenbahnbrücke gleich daneben. Einen Schlafsack hatte ich für uns eingepackt. Wir lagen dort, irgendwann kurz vor Mitternacht, sahen in der lauen Sommernacht zu den Sternen hinauf. Irgendwann, im Westen, dort, wo die große Stadt lag, wurde es heller und heller. Ist das der Mond, hast Du mich gefragt. Und ich wusste es nicht, dachte schon selbst, er sei es. Auch wenn ich ihn noch nie so hell gesehen hatte. Dann brummte es. Und ein Boot, ein riesiges Boot sogar, kam den Fluss hinunter, streifte uns mit seinen hellen Scheinwerfern in der Nacht. Der Bootssteg unter uns ging sanft auf und ab in den Wellen, die es etwas verzögert zu uns hinübertrug. …
Sommerabendwind. Noch. Gleich wird er zum Sommernachtswind werden. Nicht minder schön, anders nur. Den Sonnenuntergang sehe ich mir an, für einen Augenblick zumindest; dann eile ich heim. Ich habe an Dich gedacht, hatte nur leider weder Stift noch Papier dabei. Es gibt Prioritäten. Gedanken an Dich will ich nie verlieren (sie sind, was bleibt).
2026/07/11
Je länger Du (mir) fern warst, desto mehr habe ich gelernt, mich selbst zu hassen. Glaube mir, ich bin ein wahrer Meister darin geworden. Auch wenn Dir das nicht gefallen würde, wenn Du davon wüsstest.
2026/07/11
Kennst Du das, wenn man ein Leben lebt, das nicht der eigenen Natur entsprechen will, doch man ungeachtet der Einsicht daran festhält? Den Gedanken daran ereilte mich vorhin, als ich eine streunende Katze beobachtete. Sie kam vom Wald, überquerte die Wiese und ging wohl für die Nacht in Richtung der Häuser zurück. Schon gestern sah ich sie dort, ungefähr zur selben Uhrzeit sogar. Sie miaute, und ich auch. Dann musste ich lachen (sie nicht). Wie sie müsste ich wohl leben, denn es entspräche mir schon eher. Stattdessen sitze ich nur auf der Parkbank im Abendlicht, und bin einsam. Unterwegs war ich das nie gewesen. Zumindest nicht, solange mich nichts erinnerte (ich erinnere mich an Tränen, die ich in der Ferne wegen Marie vergoss; aber das ist lange her und eine andere Geschichte).
2026/07/09
Ich wollte nie sein wie Du; ich wollte immer sein wie Du. Vielleicht wollte ich auch einfach nur nicht einsam sein. Wer auch immer das sein könnte. Woran würde ich denken, was fühlen, wenn ich einen Sonnenuntergang vor mir sähe, mich umdrehte, vom Westen in den Osten immerzu, und wieder keine Menschenseele des Weges käme? Als könnte man die Augen schließen, und öffnen. Und es machte einen Unterschied. Die Sekunde zuvor, die Sekunde danach. Ich habe mir das immer so vorgestellt. Dass es mit jedem Tag einfach ein wenig einsamer werden würde. Immer weiter, und weiter. Und dann, dann würde es irgendwann einen lauten Knall geben, und alles wäre vorüber. Wenn ich mir etwas vorgestellt habe, vom Leben, meine ich, dann das. Es war nicht einmal so, dass ich falsch gelegen hätte, denn das tat es, von Tag zu Tag. …
Kennst Du das, wenn Du Dich fragst, wieso Du von allen Orten der Welt ausgerechnet an diesem einen gelandet bist? Aber, einsam wärst Du wohl überall gewesen; und das ist, weshalb Dir das Gehen so schwerfällt. Du hättest es können, doch geblieben wäre am Ende immer nur Du selbst. Anderswo. Hieße das nicht, dass es woanders immer anders wäre?
2026/07/05
Kennst Du das, wenn Du an einem allzu gewöhnlichen Sommertag so alleine unterwegs bist, wie Du es immer schon bist, und dann an jemandem vorüberkommst, der da sitzt und nicht alleine ist, wie sie es immer schon nicht waren, und dann grüßt Du selbstverständlich nett, doch erhältst als Antwort nur einen komischen Blick von ihnen? Und dann fragst Du Dich, wie einfach das im Leben gewesen sein muss, wenn man immer schon alles hatte? Ich, der ich mich heute zeitweise so mutterseelenalleine fühlte, dass ich kaum einen Schritt vor den anderen hätte setzen wollen; und schließlich doch nichts anderes getan habe, ist’s doch die einzige Sache, die mir am Ende trotzdem gelingt. Einen Schritt vor den anderen – nur um dann wieder nur an solchen Leuten vorüberzukommen. Kennst Du das, wenn man alleine ist, und die anderen sind es nicht? …
Ich habe mir heute auszumalen versucht, wie das gewesen wäre, wenn Du einsam geblieben wärst; niemals nie hättest Du das mitgemacht.
Ich weiß nicht, was mehr brennt – der tägliche, scheinbar ununterbrochene Sonnenschein; oder doch die Einsamkeit, die nicht minder unentwegt anhält.
2026/07/02
Ich mag diese Abende nicht, an denen das Vermissen ein dumpfes, unbestimmtes Etwas in meinem Inneren ist; irgendein Gefühl, das ich nicht zu fassen bekommen, das gesichtslos und doch unzweifelhaft da ist. Ich wünschte fast, Du gäbst ihm eines. Ein Gesicht, meine ich. Und draußen, draußen vor dem Fenster? Wird es dunkler und dunkler. Jetzt rauscht es schon im großen Baum. Ein Sturm zieht auf, wenigstens ein Gewitter. Vielleicht sogar Regen. Gefallen würde mir das schon. Es wäre an der Zeit. Auch für Dich und mich wär’s das längst.
2026/06/30
(Musik: Fink, 2026, mit „Two Magpies“)