Und am Ende denkst Du noch, die ganze Welt sei so. Und weißt Du was? Sie ist.
2023/07/11
Und am Ende denkst Du noch, die ganze Welt sei so. Und weißt Du was? Sie ist.
2023/07/11
Die Entscheidung, ob ich im kommenden Frühjahr hier oder dort sein will, ist für mich ähnlich bedeutungsvoll, wie die eines anderen, ob er alleine oder nicht alleine, ob er heiraten, einen neuen Beruf ergreifen oder gar eine Familie gründen möchte. Ich kann nicht nicht alleine sein; aber wo ich alleine bin, mich zuhause fühle, entscheidet mein Leben, ist mein Leben. Selbst ich muss mich für etwas entscheiden; wenn auch für etwas anderes.
2026/09/10
Ich dachte, man empfände mit dem Älterwerden immer weniger; dabei wird die Liste an Musik, die ich nicht mehr hören, den Filmen, die ich nicht mehr sehen, den Büchern, die nicht mehr lesen, den Orten, die ich nicht mehr besuchen kann, mit jedem Tag länger. Ich habe mir das anders vorgestellt, ehrlich.
2026/09/09
Was, wenn es nur eine Frage der Zeit bliebe, bis mir jedes Gesicht der Welt als nichtig erschienen wäre? Was, wenn mir mit anderen passiert wäre, was ihnen mit mir geschah? Bin ich nicht froh darum, nie die Gelegenheit dazu gehabt zu haben? Ich war es nie, der gehen musste.
2026/09/09
Ich begreife meinen Körper als eine Art Maschine, in die immer genug Nahrung, immer genug Wasser, hineinzugeben ist; im Gegenzug vermag ich es, dass ich damit einen Schritt vor den anderen setzen, mich von Ort zu Ort bewegen kann. Auch, dass ich damit denken, vielleicht sogar fühlen kann. Dass aber dieser Körper, der mein Eigen und mein Zuhause ist, nicht nur Kalorien, nicht nur Wasser, sondern auch Berührungen verlangen könnte, konnte ich dagegen nie so wirklich glauben. Vielleicht, weil es das war, was ich nie gelernt hatte; und augenscheinlich schien er auch ganz gut ohne zu funktionieren.
2026/09/08
Die meisten Menschen, denen Du begegnet warst, mögen nichtig gewesen sein;
doch nicht so nichtig, dass sie nicht Spuren in Dir hinterlassen hätten.
Dinge, die alleine in Ordnung sind: an Sommertagen unterwegs zu sein. Dinge, die alleine nicht in Ordnung sind: Sommerabenddämmerungen.
2026/09/07
Selten zuvor hatte ich so sehr das Gefühl, dass vom Leben nichts mehr bliebe; als würde es die Tage ausradieren. Ich weiß nicht, ob das der nahende Herbst ist. Noch im Sommer glaubte ich, die Tage, vielleicht das ganze Leben, seien ewig. Nun verfliegt das alles; und scheinbar bleibt nichts, nicht einmal Zeit. Ich wache auf; und mir ist, als sei der Tag bereits vergangen. Ehrlich, daran könnte ein Mensch verrückt werden.
2026/09/07
Das Leben, nicht als eine Aneinanderreihung von Begegnungen, sondern nichts als eine Aneinanderreihung verschiedenster Einsamkeiten, die von einer in die andere übergehen, sich nahtlos und immerzu ersetzen und doch nicht ersetzen. Dahinter, als Grundrauschen, die vage Ahnung, vielleicht ein wenig wie die ferne Brandung des Meeres, einer Handvoll an Gesichter, die vorüberhuschen. Gesichter, die nicht gekommen sind, um zu bleiben. Gesichter, die zu vergessen sind, wie es ebenfalls unmöglich bliebe, den Anblick einer bestimmten Welle in Erinnerung zu behalten.
2026/09/06
Kennst Du das, wenn es ein schöner Tag war, genau genommen noch immer ist, nun längst auf den Abend zugeht, und Du Dir denkst, dass Du zwar eigentlich schon etwas erschöpft bist, doch trotzdem noch einmal vor die Türe gehen könntest, könnte es ja sein, dort zufällig einem freundlichen Gesicht zu begegnen? Und ja, kurz darauf bist Du nun draußen, und tatsächlich noch immer schön ist es, und ja, auch Menschen gibt es dort, doch einem freundlichen Gesicht begegnest Du trotz allem nicht? Weil, dazu hättest Du schon eher in ein anderes Land reisen müssen – oder besser gleich in ein anderes Leben. Kennst Du das, diese Art von Tagen, meine ich? Wenn es schön ist, doch Du zum Erzählen niemanden hast.
2026/09/05
Wenn ich mich an diesen Sommer erinnere, erinnere ich mich daran einsam gewesen zu sein; und dass ich tagtäglich unterwegs gewesen war. Ich ging und ging, wurde dabei immer leichter, wurde weniger; dabei hatte ich doch gar nichts anderes dafür getan, als einsam zu sein. Ohnehin, ich war nicht unglücklich darüber. Über das Einsame vielleicht, nicht aber, dass ich mich selbst zurückgenommen hatte; ich wollte nie so groß und ausladend werden wie die anderen.
2026/09/05
Die Zeit eilt mir davon; was bleibt, ist die Nacht, das langsame Einschlafen am Abend, von dem ich mir wünschte, ich könnte es anhalten, könnte es für ewig an mir halten, so wie ich einst einen anderen bei mir hielt, versuchte, was mir nicht gelingen konnte (und auch jetzt nicht gelingen mag).
2026/09/01