Soll das alles wirklich einfach so zu Ende gehen? Nach all den Wochen?
2026/04/12
Soll das alles wirklich einfach so zu Ende gehen? Nach all den Wochen?
2026/04/12
Tage am Meer; der Geruch sonnengebräunter Haut, Geschmack von Salz auf rissigen Lippen, Bergen von Sand in den Schuhen, die getrost neue Strände ergründen könnten. Wochen bin ich nun am Meer unterwegs; dabei waren mir die Berge eigentlich immer lieber gewesen.
2026/04/06
Every day
is the most lonely day
of my life.
Als hätte es mir nicht getaugt, hier im gottverlassenen Norden des Landes in der Nacht dahinzurauschen; so dunkel, dass ich kaum zu sagen wusste, ob ich gerade bergan oder bergab fahre. Dabei, die Musik auf Anschlag aufgedreht, bis ich hätte schreien können (gut, ich habe).
2026/04/05
Das Sich von der Welt ausruhen
Klingelt lautlos
Hallt müde in meinem Kopf
Wider Vergangenem
Ruht auf Kissen
Fürstlich
Aus Vogelgezwitscher
Um Schlaf verlegen
Ungeheuerlich rumorend
Knarrender Bäume wegen
Als Weckruf wunderlich
In Sturmwind gehaucht
Der Monde befreite
Von dunkler Wolkenberge
Einer Laune heraus
Aufgeschreckt
Klopfenden Herzens
Ist es mir gleich und wohl
Dem Nach Sinnen
Meine, Lauschen
Allem Äußeren
Mitternachtsstill zumute
Im verträumten Diesseits
Rastend
Einen Augenblick
Langer Müdigkeit
Des weder noch Seins
Der Dämmerungen
Aus Geschwistern verwegener Traumgestalten
Aller Schatten abschüttelnd
Der erinnerten Wiedergänger
Machen
Um Schlaf mich verlegen
Zug um Zug
Naht liderreibend
Im Mondschein rasch
Das Reminiszieren vergessen
Mein schlummernder Ritt
Die Schwere los
Flüstern
Will meinen, Flügelschlag
Eines Käuzchens entfernt
Ins Vergessen wider
Der Nacht
Diesen Frühling.
Die Tage werden rasch länger; es lässt die Nächte umso besonderer zurück. Mir bleibt wenig Zeit für Schlaf, …
Mir ist gerade klargeworden, dass ich nun seit mehr als einem Monat unterwegs bin; und an nahezu jedem Tag gegen den Wind ankämpfte. Das dürfte sonst kaum jemand mitgemacht haben; gerade die vergangenen Tage haben dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Abartig, wenn dem eigenen Tun so entschieden entgegengetreten wird, dass es kaum Zufall sein kann. Dieser Tage sind mir, das ist vermutlich der Gegend geschuldet, vereinzelt auch andere aufgefallen, die scheinbar wie ich die Nächte am Meer verbringen. Der Witz an diesen ist nur, dass sie den eigentlichen Sinn darin negieren. Denn dann, wenn es schön ist, etwa am frühen Morgen in der Dämmerung, dann, wenn erste Farben zu erwarten sind, sieht man sie nie. Nie. Dann liegen sie begraben in ihren Unterkünften, die Fenster verdunkelt, dass es keinen Unterschied machte, ob sie nun hier am Meer oder doch in …
Ich nenne diese Tage Dreikapuzentage; gleich drei an der Zahl trage ich übereinander, um am Wind nicht verrückt zu werden.
Ich hatte geglaubt, dass wenn ich von einem in ein anderes Land führe, das Wetter nicht noch übler sein könnte. Ich hatte falsch gelegen. Es kann, und es wird. Es gibt Momente, da empfinde ich die allergrößte Scham, überhaupt zur Kamera gegriffen zu haben; etwa meine eigenen Bilder dieses gestrigen hundsdreckigen und nur vermeintlichen „Sonnenuntergangs“ ekeln mich dergestalt an, dass ich sie nur allesamt restlos löschen kann in der Hoffnung, sie damit auch zu vergessen – oder zumindest nie wieder daran erinnert zu werden. Vielleicht ist das alles eine Sache, die ich unterschätzt habe. Unterschätzt, dass mir das Wetter – wieder einmal – so übel mitspielen würde. Dabei kenne ich es doch eigentlich gar nicht anders.
2026/03/25
Es wird Zeit, weiterzuziehen. Nicht etwa, weil ich dieser Orte überdrüssig wäre, wohl aber das hiesige Wetter nicht länger ertrage. Das Meer ist kein Meer mehr; und auch der Himmel kein Himmel. Stillstand. Sonnige Tage wohl, doch jeder Wechsel zu etwas interessantem bleibt aus. Tag um Tag versinkt das Licht der auf- oder untergehenden Sonne in Dunst und Dampf; und auch das Meer mag nicht mehr, will keine Wellen mehr zeigen. Es setzt mir zu; ich vermisse das stete Spiel aus Wolken und Licht auch wenn das hieße, kaum einen Schritt gehen zu können, ohne in einen der unzähligen Schauer zu geraten.
2026/03/22
Mein Leben mag mich zu diesem verborgenen Pfad an den Klippen geführt haben; kein Leben aber dazu, dass ich einmal mit einem anderen hier wäre, zeigen könnte, was ich hier vor langer Zeit einmal gefunden und nicht vergessen habe. Das ist ein Fakt, keine Befürchtung.
Nein, wahrlich kein schlechtes Geschenk für meinen soundsovielten Geburtstag, dass ich heute die wohl schönste Bucht aufgetan habe, die ich nun kenne. Gestern noch entschied ich spontan, einen weiteren Tag in der Gegend zu bleiben, sah tags darauf der Morgendämmerung hoch oben auf einem exponierten Felsen am Meer entgegen und verlagerte dann meinen Standpunkt geringfügig dorthin, wo wohl kaum jemand vorüberkommen und mich stören könnte. In kaum hundert Metern Entfernung bricht die Wiese zu Bucht und Strand hin ab. Ich suchte dort einen Abstieg, entschied mich aber dagegen, weil er zu steil und nicht verlässlich …
Der Wind hatte mich dieser Tage regelrecht zur Weißglut getrieben, mich damit zielsicher an meine Grenzen gebracht. Gleichwohl, ein Verschnaufen scheint nun möglich, wenngleich zu dem Preis eher einfältiger, wolkenloser Himmel erkauft. Diesen Morgen stieg ich schon um sechs Uhr auf eine etwas vorgerückte Klippe hinauf, die zwei Buchten voneinander trennt. Ich fotografierte den menschenleeren Strand zur Morgendämmerung, ging bei nun blauem Himmel zurück und zog doch gleich wieder los. Ich erstieg eine zweite Klippe, scheuchte Ziegen auf (deren Gebimmel mich unweigerlich an die Berge erinnerte) und schließlich über nackten Felsen zu eben jener Bucht und Strand hinab, die ich am Morgen noch von weit oben betrachtet hatte. Dieser der beiden Strände wird gerne ignoriert, kaum von Besuchern der Gegend wahrgenommen. Über dem Meer stand leichter Nebel, das Sonnenlicht kam mehr und mehr über die Klippen. Andersartig dort unten am …
Ein kleiner Junge schien gestern nicht begreifen zu können, dass wir tatsächlich nicht dieselbe Sprache sprechen, ich kein Wort von dem verstand, das er mir hatte sagen wollen. Ich saß am Meer im Windschatten eines baufälligen Gebäudes, ein Leuchtturm nebenan, der ausnahmsweise weitere Besucher anzog. Neben mir: mein Stativ, meine Tasche und Kamera. Er kam mit seiner Mutter daher, reichte mir, der ich auf einer Stufe saß, bis auf Augenhöhe, und kam mir nahe, wie Kinder das manchmal tun. Er setzte wieder und wieder zu neuen Worten an, sah mir groß in die Augen, doch: ich verstand nicht. Seine Mutter zog ihn schließlich fort, lachend und eine Spur entnervt. Zu einem Zeitpunkt hatte er mich sogar flüchtig an der Schulter berührt. Was könnte es gewesen sein? Die Ausrüstung? Dass wir gerade gleich groß waren oder wirklich, dass da einer aus …