Und was hätte ich schon sein wollen, in dieser Welt, wenn nicht genau dieser einzige Augenblick.
2022/05/25
Und was hätte ich schon sein wollen, in dieser Welt, wenn nicht genau dieser einzige Augenblick.
2022/05/25
Geblieben ist nach all den Worten und Wochen die Erinnerung an einen ganz bestimmten Blick, vage ein Gesicht dahinter, das mir zuweilen noch immer durch meine Gedanken folgt. Ein Blick, bei dem ich für einen winzigen Augenblick das Gefühl hatte, es würde nicht irgendjemand angesehen werden, sondern tatsächlich mich, und das was ich bin.
2022/05/24
Noch in der Dunkelheit alleine auf einen Berg hinaufstiegen. Dort, zwischen Felsen Zuflucht vor dem eisig-kalten Wind suchend, auf den nahenden Sonnenaufgang warten, auf das karge, weite Land hinabsehen. Zwischen vereinzelten Seen und den Bergen am Horizont kein einziges Licht, keine andere Menschenseele weit und breit. Nur ein wenig später, über Stunden sehnsüchtig auf tiefblau-weites Meer hinaussehen, sich darin verlieren, endlos den Wolken mit dem Blick folgen. Dann, am frühen Morgen, die Luft noch ganz kühl auf der Haut, einem Birkenhain, erstes Frühlingsgrün in den Zweigen, dazwischen und zu den Füßen Moos im Sonnenlicht, hinab zum Ufer eines kleinen Sees folgen.
An all diesen, ganz verschiedenen Orten bin ich während meiner Reise für einen Augenblick zuhause. Mir ist, schon nach wenigen Tagen, zumute, als hätte ich eine Ewigkeit auf diese Weise verbracht, doch dabei keineswegs so, dass es mir unangenehm …
Vielleicht bin ich um jeden Abschied dankbar; ist’s doch an ihm, mich vor mir selbst zu erlösen.
2022/05/18
Ich stehe also dort oben, den salzigen Meereswind auf meiner Haut, und sehe, wie Du langsam Deine Arme hebst, sie hebst und in den Himmel streckst. Für einen winzigen Moment, da frage ich mich, ob ich nun zu Dir hinuntergehen sollte. Dass Du vielleicht willst, dass ich meine Arme fest um Dich lege, oder Du, wie wenn wir einst Kinder waren, vom Vater in die Luft gehoben und umhergeflogen werden magst. Wie ein Vogel im Wind. Wie ein Vogel, den man nur loslassen müsste. Wie einer, den hier unten nichts mehr hält. Dann blickst Du zur Seite, so als wüsstest Du, dass ich hier stehe und Dich beobachte.
Ich schreibe in die Ferne, ein wenig gleich der scheinbar endlos langen Nachtfahrten, auf denen ich manchmal, um mir ein wenig die Zeit zu vertreiben oder wenigstens nicht ganz alleine darin zu …
Vielleicht ist das Wesen einer guten Reise das Gefühl unendlich weit gekommen zu sein; so weit, dass der einstige Aufbruch und jedwede Etappe längst fern zurückzuliegen scheinen und es unmöglich anmutet, all das noch einmal von Neuem an zu durchleben. Was bleibt, von dieser Reise, ist, wer und wo ich heute bin; und vielleicht auch die Andeutung eines Blickes in die Zukunft hinein; auch wenn sie nicht mehr oder minder vage und unbestimmt scheint, wie das Vergangene. Letztlich scheinen sie beide, Erinnerung und Ahnung, nichts weiter als ein Traum zu sein; nur meiner selbst entsprungen. Ganz ohne, dass ich jemanden darauf festnageln könnte, weder mich, noch einen anderen; sie alle sind verschwunden. Ich bin weit gekommen, sage ich mir also, zu weit um dieselbe Strecke noch einmal gehen zu können, oder gar zu wollen. Doch nicht etwa, weil …
Vielleicht im nächsten Leben, sage ich mir stattdessen, während vor meinem Fenster der Mond hinter fernen Dächern hervortritt und lautlos den Himmel hinaufwandert. Im nächsten Leben. So, als gäbe es tatsächlich eines; und man würde es nicht längst besser wissen.
Ich wache auf, spät in der Nacht, doch ist es nicht einmal vollständig dunkel vor dem Fenster. So weit oben im Norden, an der Küste, ist es das irgendwie nie. Ein wenig, als wäre immer Dämmerung; schwer zu sagen, ob nun am Morgen, oder am Abend. Als würde der Mond immerzu aus dem Verborgenen in die Wolken hineinleuchten, den Schlaflosen in der Welt darunter Trost spenden, den Weg weisen, gleich wohin es sie führen sollte. Es stürmt, recht heftig sogar, mein Wagen ächzt und schaukelt wie ein Schiff auf hoher See. Für den Moment frage ich mich in einem Anflug …
Und Du, was weißt Du schon von alledem? Du, der Du Dich in die Arme eines anderen gelegt hast und fern von mir in der Nacht schläfst. Nacht, die auch Du einsam an mir vorüberziehst, während ich rastlos in Dich hineindenke. Aber keine Sorge, ich bleibe nicht lange. Nicht einmal in Dir.
2022/05/16
Mit niemanden kann und muss ich heute sein, der auch mit einem anderen könnte. Ich weiß nicht, woher sie es nehmen, aneinander zu glauben.
2022/04/26
Noch immer denke ich vereinzelt an das Schreiben eines Buches, doch ist mir nie ein Anfang gelungen. Vielleicht wollte ich zu viel; vielleicht mangelt es mir schlicht an Talent und Phantasie. Jeder Satz soll ein Leben sein, jedes Leben ein Satz. Alles, das ich gedacht habe und mir besonders schien. Der Klang der Worte, die Bilder und Gedanken, die sie hervorrufen. Das alles sollte am Ende mein Leben gewesen sein, so dass ich aufrichtig sagen könnte: Seht, das bin ich. Vielleicht ist das zu viel verlangt. Vielleicht würde ich selbst, wenn ich zu mehr fähig wäre, noch immer nach mehr verlangen. Des Mangels an Worten, ihrer Grenzen bewusst, doch nicht davon ablassen wollen, noch können; immer über das Mögliche hinaus, wie Träumer, die unentwegt nach Sternen greifen. Einziges, wie uns das Schreiben scheint. Wenn ich die Handlung wüsste; ich glaube …