Vom Leben verstehe ich gerade genug, um zu atmen;
vielleicht aber nicht so viel, um es auch sein zu lassen.
2023/04/30
Vom Leben verstehe ich gerade genug, um zu atmen;
vielleicht aber nicht so viel, um es auch sein zu lassen.
2023/04/30
Hätte ich gewusst,
dass ein neues Leben hier beginnt,-
ich wäre wohl stehengeblieben
und hätte ein letztes Mal zurückgeblickt.
In wenigen Tagen wird eine der gelungensten Reisen, die ich in den letzten Jahren unternahm, zu Ende gehen. Etwas über einen Monat, tausende Kilometer, unzählige Orte und Gegenden. Ich weiß nicht genau weswegen, doch es war mir gelungen schneller als sonst in der Reise, und dem ausschließlichen Mit-mir-selbst-Sein anzukommen. Vielleicht, weil ich dort, wo ich war, so viel Freiraum fand. Vielleicht, weil das Wetter es zuließ, dass ich immer mal wieder fotografieren konnte. Vielleicht auch, weil die Berge bei meiner Anreise noch Schnee trugen; und es kaum einen schöneren Anblick gibt. Ich vermisste nichts und niemandem, verstand nur, dass es auch Zuhause, wenn der Frühling naht, manches geben wird, das ich gerne tun werde – nach einer Rückkehr aber wohl schnell …
Die Sehnsucht ist ein böses Tier; nicht anders behandle ich sie. Ich schlage sie wie einen räudigen Köter, bis sie sich nicht mehr rührt. Dann, wenn es still geworden ist, atme ich erleichtert auf; und merke augenblicklich, dass sie mir fehlt. Doch, es ist längst zu spät. Das Herz der Sehnsucht schlägt nur einmal, war es doch mein eigenes.
2023/03/25
Die treueste aller Seelen aber ist die Einsamkeit; und einen anderen Maßstab an eine Geliebte hätte ich nie gehabt.
2023/03/22
Die Müdigkeit ist die Umarmung der Einsamen; einzig die Geborgenheit der Nacht ist ihre Geliebte.
Wenn ich nachts durch Länder fahre, längst todmüde bin, doch noch von einem zum anderen kommen mag, mutet jeder Rastplatz, der da von Bäumen gesäumt still und verlassen neben der Straße ruht, an, als sei er mir das schönste Bett der Welt. Und er wäre, doch ist die Zeit noch nicht reif, dass ich, vom Tage und meiner Reise erschöpft, anhalten und im wohlig-warmen Schlafsack meinen Segen finden werde. Die Müdigkeit aber ist etwas Wunderschönes, bin ich doch dem Gefühl von Geborgenheit nie nähergekommen, als auf diese Weise. Es ist einzig die Nacht, die sich an mich schmiegt.
2023/03/20
In der Nacht, alleine am Meer, scheint mir die ganze Welt fern. Aber nicht so, dass es mich stören würde, sondern als wär’s das größte Glück der Welt. Und Du, glaubst Du, dass es so etwas tatsächlich gibt? Ich meine, das größte Glück der Welt. Glaubst Du das?
Kennst Du sie, diese Nächte, Nächte am Meer, in denen selbst der nächste Leuchtturm, gleich wie unbeirrt er seinen Lichtkegel wieder und wieder auswerfen mag, nicht minder fern scheint wie Mond und Sterne? So fern, wie überhaupt alles,- und ein jeder? Küstennächte sind das, denen vorangegangen war, dass ich kurz nach Sonnenuntergang die Klippen hinaufwanderte, dort oben wieder auf Zivilisation stieß, doch abgesehen von etwas Hundegebell alles weit und breit verlassen vor mir lag. Frühling war’s, die Luft kühlte rasch ab, war klar und doch lag der Duft der Wiesen, der Wälder …
Was ist das alles schon, wenn nichts weiter als der Gedanke eines Menschen, für den das größte Maß an Vertrautheit bedeutet, einsam zu sein?
2023/03/14
Als ich Kind war
hab‘ ich gedacht
überall wo’s schön ist
in und auf der Welt
müsst‘ auch gleich ein andrer‘
noch (mit mir) sein.
Heute bin ich Kind nicht mehr,
weiß dafür wohl,
dass Schönheit selten verlangt
nach mehr als einem.
2023/03/10
Übernachtungen, fern der Heimat
müde und sehnsüchtig
wie Umarmungen zweier Liebender.
2023/02/25
War ich nun ein Leben lang verkannt worden;
oder doch von Geburt an als Unbedeutender enttarnt?
2023/02/25