Gesichter sind zum Lügen da.
2026/08/20
Ist das nicht schon Strafe genug, sich selbst zu sein? Wie sollte einer da noch ans Leben denken.
2026/08/19
Ich hatte zuvor nie verstanden, dass Gesichter Schlüssel sind; Schlüssel, die man nicht wegwerfen kann, selbst wenn man wollte.
Es gibt Gesichter, die legen dein ganzes ach so sorgfältig erbautes Konstrukt augenblicklich in Schutt und Asche. Aber danach gefragt, wüsstest du sie nicht einmal zu beschreiben. Die Merkmale sind verflogen, doch die Trümmer geblieben. Nur, wenn du sie siehst, diese Gesichter, weißt du es. Das tragische daran ist, dass nicht einmal wichtig ist, ob du sie tatsächlich gesehen oder doch nur von ihnen geträumt hast.
2026/08/18
Warf ich mir nicht vor, dass das alles nur Wiederholungen seien? Aufzeichnungen von wiederholter Einsamkeiten, die sich allenfalls in Nuancen unterscheiden, gleich der Monate und Jahre, die dazwischen vergangen sein mögen? Aber ist es nicht so, dass ein anderer, hätte er sich je die Mühe gemacht, sein Leben in Worte zu packen, auch nur vom Immergleichen zu berichten gewusst hätte? Nur, dass seine Erzählungen verschiedene Namen gehabt hätten? Die Menschen, die gekommen und wieder gegangen sind. Auch das wäre langweilig, und immerzu das gleiche gewesen wie geblieben, oder? Was also ist es, dass ich mir tatsächlich vorzuwerfen habe. Hätte ich stattdessen eben den Einsamkeiten Namen geben sollen, Namen geben müssen? Vielleicht so, wie gemeinhin Stürme benannt werden. Hätte ich sagen sollen: die Februareinsamkeit, sie sei Sarah gewesen; und die des Sommers, Luises?
2026/08/18
Beim Anblick der Wolken
Bergen gleich
Hoch oben am Himmel
Düster
Hätte ich mir glatt heute
Unseeliger Gedanken
Vorauseilend
Die eignen Schleusen öffnen
Können
Wollten sie doch nicht vergehen
Ein Leben lange
Klebten wie festgezurrt
Unsäglich dort droben
Als verhasste Erinnerung mir
Die Zeit
Aufgestaut
Wieder und wieder
An zu enger Horizonte
Gestrandet
Ein müdes Herz
Das in Wellen schlug
Roter Farben
Unaufhörlich
Zu Füßen
Gewitterregen
Aus alter Träume
Schlag um Schlag
Im Staub
Zerrinnend
Derer ich dachte
Wenn auserkoren
Zu befreien
Einander
Augenblicklich
Von Finsternis
Dann meinethalben
Lieber still
Und schön
Im Abendlicht
Diesen Sommer.
Diese Wolken hatten einen Ort, an den sie gelangen mussten. Einen Ort, an den sie gehörten, dem sie zugehörig waren, vielleicht sogar von ihm vermisst wurden. Nicht aber ich, der ich hier saß und zu ihnen aufsah. Mir war, als wär‘s mein bloßer Blick, …
Ich habe einen Freund gefunden. Saß am Abend mit Musik am Wald, sah den Wolken über den Feldern zu. Eine Katze kam im späten Streiflicht vorüber. Nicht irgendeine, sondern die, von der ich in der Vergangenheit schon erzählt hatte. Jene, die ebenso am Abend vom stundenlangen Umherstreunen schließlich doch auch in Richtung Zuhause zieht. Heute aber, heute aber kam sie ausgerechnet noch zu mir hinüber. Ich gab mein Bestes, konnte immer schon mit Tieren ebenso schlecht wie mit Menschen. Aber, ich habe das immer respektiert an Katzen. Dass sie sich nehmen, tun, wonach ihnen der Sinn steht. Sehr sogar. Nach einer kleinen Ewigkeit bin ich dann aufgebrochen, und sah sie dort fast fuchsrot auf dem Weg stehen und mir nachsehen.
2026/08/17
Kennst Du das, wenn Du ganz unerwartet jemanden siehst, der Dir gefällt und Dir dann denkst, dass das Dein Leben hätte sein können? War es aber nicht und nie; und hätte es auch gar nicht. Gedacht hast Du es aber trotzdem. Schließlich traf es Dich ganz unvorbereitet. Vielleicht, weil Du in diesem kurzen Moment vergessen hattest, wer Du selbst bist. Ehrlich, ich hätte lieber weggesehen; aber da war es schon geschehen.
2026/08/17
Hast Du einmal darüber nachgedacht, dass wir die anderen ebenso gebraucht haben, wie sie einander? Wir, um einsam zu sein. Sie, um nicht einsam zu sein. Abhängig aber sind wir alle gewesen. Seltsam, oder? Einen anderen Menschen zu brauchen, um einsam sein zu können. Nur, wie sonst hätte das auch funktionieren sollen?
2026/08/17
Es stürmt; vielleicht wird es endlich etwas Regen geben. Weil, mir ist, als hätte seit Monaten nur die Sonne geschienen.
2026/08/16
Kennst Du das Gefühl der Einsicht, dass es Dir tatsächlich gelungen scheint, niemandem etwas zu bedeuten? Aber ist die eigentliche Frage nicht, ob das nun Freiheit – oder doch ein Gefängnis ist? Vielleicht das größte, und weiteste Gefängnis aller. Und obwohl Du so denkst, gibt es Momente, in denen Du lachst. Du bist Du; und die anderen,- sind die anderen.
2026/08/15