Nur der Mond schaut zu mir herein.
2024/07/18
Weißt Du
wie das ist
zu fühlen
so als fühlte
man nichts.
Nichts, wo man müsste;
von allem zu viel,
wo man nicht sollte.
Ich habe heute an etwas gedacht, woran ich in den letzten fünf, sechs Jahren nicht mehr denken musste. Ich hatte es für vergessen geglaubt. Und jetzt? Jetzt drehe ich am frühen Morgen meine Laufrunden. Eine um die andere. Doch im Anschluss verschwindet es auch wieder. Mit ein wenig Glück für immer – oder zumindest für Jahre. Aber, ich fürchte, davon verstehst Du nichts. Von allem zu viel, von nichts genug.
2024/07/03
Weißt Du, was ich glaube? Wenn es hier je einen anderen einsamen Menschen gegeben hätte – wir wären einander längst begegnet. Zwangsläufig, wie von unsichtbarer Hand gelenkt, hätten sich unsere Wege gekreuzt, wären wir über kurz oder lang voreinander gestanden. Wenn ich stattdessen alleine durch den Wald spaziere, am Fluss schwimme oder später noch ein wenig unter Bäumen sitze, mir einen Brunnen mit einem zugelaufenen Hund teile und nicht einmal nach ihm eine Hand ausstrecke, dann nur, weil ich in meinem gesamten Leben noch keiner einzigen Seele begegnet wäre, mit der ich etwas gemein gehabt hätte. Außer vielleicht ihm, diesem Hund, der zu mir gerannt kam, wie zu anderen das Glück. Es ist fast so, als wäre jede Begegnung ein weiterer Grund, alleine zurückzubleiben. Aber einen für das Gegenteil? Habe ich nie gesehen. Nie.
2024/06/29
Ohne große Worte einander so viele Male am Bahnhof verabschiedet und seltsam gefasst dem Zug hinterhergesehen, dass irgendeines dann einfach das letzte Mal gewesen war; und damit ebenso unerwartet wie vorhersehbar, keine Notwendigkeit, sondern als gottgegebene Selbstverständlichkeit.
2024/05/03
Kaum hier; und schon wieder fort. Kein Abschied, kein Aufbruch.
Eigenartig fühlt es sich an, gerade dann in die Ferne aufzubrechen, wenn der Frühling hier so richtig ankommt, es draußen so schön ist, wie selten zuvor. Andererseits, irgendetwas scheint ganz und gar nicht zu stimmen, ist’s mir doch in den Nächten, dass, ganz gleich was zuvor auch gewesen sein mag, ich erst jetzt wieder zu mir käme. Meist kurz nach Mitternacht; und der zurückliegende Tag damit längst Geschichte, scheinbar ohne, dass ich etwas davon gefühlt hätte. Nichts will bleiben. Ehrlich gesagt, ich verstehe gar nicht, wieso das so ist, doch ist es allemal beängstigend. Natürlich frage ich mich dann, wie es wäre, an einem Ort zu bleiben. Vielleicht ist’s auch ein Problem, dass ich in jedem Jahr mehrere Male aufbreche und stets das Gefühl eines großen Umzugs habe; was nicht …
Ich glaube, kein Geburtstag war je bedeutungsloser an mir vorübergegangen; es fehlte nicht viel und ich hätte geglaubt, dass es ihn gar nicht gäbe. Doch, vielleicht gerade deshalb, auf Dich; wie alt auch immer Du geworden sein magst.
2024/03/21
Ich kann wieder Worte formen, doch im Stillen, scheine ich noch nicht so weit, sie auch auszusprechen; und mein Schweigen mit einem Ruck zu durchbrechen. Es ist eines, das ich nicht als solches empfinde, gibt es doch schlicht und einfach noch nichts zu sagen.
Ich habe wieder jemanden zum Briefe schreiben. Ein Film, ein Lied oder ein Gedanke, vielleicht auch etwas, das ich von und über meinen Empfänger erfahren möchte, dazwischen vereinzelt aufgefüllt mit dem, was mir tagtäglich geschieht, unterwegs wie ich bin. Ich weiß nicht, ob das die Art und Weise ist, wie Briefe für gewöhnlich zu schreiben sind, doch tue ich es; und gebe sie bei Gelegenheit in fernen Städten auf, deren Namen ich nicht kenne. Möge der Brief den weiten Weg unbeschadet überstehen, sage ich mir, bestenfalls ein wenig schneller, als ich selbst es vermag, der …
Melancholie sei das widersprüchliche Empfinden, ein anderes als das eigene Leben zu verspüren, habe ich einmal gelesen; und fürchte gerade weil dahinstehen kann, um welch ein Leben es sich handeln könnte, wenn nicht eines der Längstzurückgelassenen oder gar eines der diffusesten – den unzähligen Niedagewesenen.
Unverrichteter Dinge breche ich auf, lasse diesen Ort, an dem ich in den vergangenen Tagen gelebt habe, zurück, denn auch bis zuletzt hatte sich kein zufriedenstellender Sonnenuntergang ereignen wollen, gleich wie sehr ich gehofft hatte, die zu dicht beieinanderstehenden Wolken mögen sich für einen Moment auftun, abendlicher Sonnenschein ließe, hier an der Küste, die Felsen, die Kronen der Wellen und überhaupt den bislang allzu tristen Himmel aufleuchten. Nur vage hatte ich es vor Augen, diese sich dann vielleicht abzeichnende Szenerie, doch bestimmt genug, um länger zu bleiben und es als Wirkliches auf eine Fotografie …
Der Mensch ist nicht dafür gemacht, jeden seiner Schritte bewusst zu gehen, dachte ich mir heute in der Früh, wie ich, noch im Dunkeln und mit einer Taschenlampe in der Hand, etwas mühsam an der Küste entlang marschierte. Kein Strand, zumindest nicht im klassischen Sinne und aus Sand, sondern die Bucht mit Felsen gefüllt, kleinen wie großen, auf und zwischen denen ich mir einen Weg suchte, mein Vorankommen zwar einigermaßen flüssig vonstattenging, doch eben nicht beiläufig. Vielleicht ist es mit den Tagen, und überhaupt der Zeit im Allgemeinen, ebenso. Ein Leben zu leben, scheint gerade so machbar; doch jede Sekunde davon, unmöglich.
2024/03/07