Ich fürchte, nur die Wenigsten besitzen das Wesen, dass aus Leidenschaft eines Tages auch Berufung wird.
2023/09/04
Ich fürchte, nur die Wenigsten besitzen das Wesen, dass aus Leidenschaft eines Tages auch Berufung wird.
2023/09/04
Manchmal glaube ich, dass je schöner die Himmelsfarben am Abend sind, desto einsamer werde es in der Nacht.
Gesehen haben wir die Himmelsfarben erst, wie wir den dunklen Wald hinter uns gelassen, daraus hervorgetreten waren. Zwischen den Feldern dann – dort, wo noch ein letzter warmer Wind weht, wenn man nur weiß, wo. Im Westen, über dem Land, das hier auf der Ebene dutzende Kilometer weit bis zum Horizont reicht, ein Wolkenband, das orangefarben glühte. Dann, etwas weiter im Norden und erhöht, tiefrote, breit gefächerte Himmelsstreifen. Dazwischen: ein Tiefblau, das nach oben hin immer dunkler wird, fast so dunkel wie die Nacht. Und dabei war mir, als hätte ich ganz vergessen gehabt, wie wunderschön die Sommerabenddämmerung unter freiem Himmel sein kann.
2023/09/04
Nachts konnte ich nicht schlafen, lag stattdessen wach, träumte ein wenig vom Regen und lauschte meinen Träumen – oder doch umgekehrt? Vielleicht ist es eins wie das andere, alleine wie ich bin.
Die traurige Liebe meines früheren Lebens muss jüngst geheiratet haben; einen anderen Namen trägt sie nun. Bedeutet das noch etwas? Nun, es tut ein wenig weh; und damit ist es wohl gut, oder? Ich muss ohnehin gestehen, dass ich die meisten der Ehen in meinem Umfeld als schrecklich genug empfinde, dass ich mir geschworen hatte, es einmal besser zu machen. Andererseits, gedacht hatten wir das vielleicht alle einmal. Vielleicht komme ich meinem Vorsatz tatsächlich am nächsten, wenn ich alleine bleibe, denn irgendwann nur noch aneinander vorbei zu leben, wäre mir mit Sicherheit ebenso ungesund vorgekommen, wie zu sehr ineinanderzuwachsen.
2023/08/31
Ich bin diesen Sommer nicht in die Stadt gezogen; die Welt hat sich trotzdem weitergedreht, ist nicht untergegangen. Noch ein wenig einsamer zwar aber vielleicht sollte das so sein. Ohnehin wäre es mir wohl eher um das Umland, das Zurückkehren am späten Abend gegangen; die Stadtbewohner muten längst schon immergleich an, sind für mich fern jeder greifbaren Kontur.
2023/08/30
Menschen, die mir gleichen, begegnen einander nie; deswegen sind wir, was wir sind. Wahrscheinlich können wir eben deshalb auch so sicher sein, dass jede Begegnung unseres Lebens die falsche sein wird; doch von etwas anderem träumen werden wir nie.
2023/08/26
Es zerreißt mir bald die Seele, denke ich mir; andererseits, wie oft und lange habe ich das wohl zuvor schon gedacht? Nicht wundern würd’s mich, wenn’s überhaupt der erste Gedanke wäre, den ich je gefasst habe.
2023/08/21
Ein leichter Schmerz bleibt mir als Grundrauschen; ungefähr so, wie Einsamkeit an guten Tagen. Und von schlechten Tagen? Von schlechten Tagen sprechen wir nicht.
2023/08/19
Ich habe nie verstanden,
wie alle Tage gleich einsam sein können,
doch sich verschieden einsam anfühlen.
2023/08/13
Ich weiß jetzt, wann zwischen zwei Menschen, die einst vorgaben sich zu lieben und es doch nicht taten, alles gesagt ist: Wenn ich alles gefühlt habe, was ich fühlen kann, und nichts davon erzählen wollte. Dann, und erst dann ist alles gesagt. Das ist die einzige Form des Abschieds, die für mich zählt; selbst wenn es dazu Jahre bedarf.
2023/08/11
In diesem Moment wäre ich irgendwie gerne einmal mit ihr spazieren gegangen. Einfach so; vielleicht, um wenigstens zu fragen, wie sie gelebt hatte, in und zwischen den Jahren. Nichts weiter, ganz unverbindlich und zwanglos. Ich fühlte die Illusion von Verbundenheit – einfach, weil ich sie jedes Jahr einmal sehe. Wahrscheinlich ist das ein wenig seltsam; wahrscheinlich ist das aber auch egal, weil es nie über unser kurzes Wiedersehen hinausgehen wird.
Es gibt wieder jemandem, in meinem Leben. Oder eigentlich gab es sie schon die ganze Zeit, nur hatte es so lange gedauert, um das auch zu bemerken. Sie, als ein fester Bezugspunkt. Vielleicht der einzige, den ich in anderen so richtig habe. Im vergangenen Sommer, als ich eines Abends jenes Café besuchte, in dem ich früher unzählige meiner Nachmittage verbracht hatte – immer alleine, immer mit einem neuen Buch und …