Ich kann an tausende Orte reisen;
doch zu keinem anderen Menschen finden.
Am frühen Nachmittag breche ich schließlich auf, doch statt geplanten acht Stunden bin ich letztlich wesentlich länger unterwegs. Nach Norden, an die Küste trägt es mich dieses Mal. Auf spät in der Nacht nahezu ausgestorbenen Straßen, die Musik laut aufgedreht, weiche ich schlaftrunken und doch wie von unsichtbarer Hand gelenkt, Füchsen wie Bäumen aus, denke dabei die Gedanken eines ewig Einsamen in die Dunkelheit hinein. Erst weit nach Mitternacht treffe ich ein, schlafe noch ein wenig, stehe bereits zum Sonnenaufgang im Wind alleine am Küstenwald, Strand und Wellen lebhaft unter mir. Ich weiß nicht, die wievielte Nachtfahrt das nun war, der wievielte Strand, an dem ich alleine bin, so als wäre ich es immer schon gewesen (und ich bin es immer schon gewesen, und auch geblieben). Ich muss Jahr für Jahr mehr Nächte dahingefahren sein, als ich sie in meinem gesamten Leben an jemandes Seite verbrachte. Das allein ist die Zeitrechnung, der ich folge, einsam wie ich bin. Das allein ist, was zwischen mir und allen, denen ich begegnen werde, stehen wird. Es ist mein Erbe; auch wenn ich zum Vererben freilich niemanden habe.
2022/06/02