Wieso nur ist Musik so viel schöner, als all die Menschen, die Jahr um Jahr spurlos an mir vorübergehen? Wieso nur erinnere ich mich beim Klang von Melodien innerhalb von Sekunden an ganze Welten; und versinke im Nichts, wenn ich in Gesichter blicke? Wieso nur fühle ich mich in Musik geborgen; und im Leben verloren?
Wenn es Musik gibt, in der ich mich selbst finden kann – und die gibt es – und diese Musik von Menschen geschaffen wurde – und das wurde sie – dann müsste es eigentlich auch Menschen geben, auf dieser Welt, an deren Seite ich mich nicht länger einsam fühlen würde. Es müsste. Doch scheint mein ganzes Leben ein einziger Beweis dafür zu sein, dass dem nicht so ist. Früher einmal glaubte ich, ich hätte so jemanden gefunden. Jemanden, den ich letztlich doch verkannte, weil ich das zeitweise Schweigen zwischen uns für Tiefe hielt, so wie die wahre Genialität von Musik aus ihren Nuancen heraus erwacht. Musik, die sie nicht verstehen, weil Nuancen alles sind, was sie nicht sind. Weil sie laut sind; und Schönheit leise ist. Ungeachtet aller Rückschläge will ich weiter von jenen träumen, mit denen ich die Musik im Inneren teile. Und doch fürchte ich, dass ich eben deshalb auf immer alleine sein werde. Ich glaube, Musik mit einem Menschen teilen zu wollen, ist so aussichtlos, wie überhaupt ein Leben an jemandes Seite leben zu wollen.
2022/06/25
(Ode an Fabrizio Paterlini)