Seltsam, dass es mir nahezu schon leichter schiene, in anderen Menschen keinerlei Spuren zu hinterlassen, statt in einem Wald, durch den ich streife. Und ich frage mich, wer der beiden sich eher meiner erinnern würde, doch ist das vielleicht eine jener Fragen, die ich nicht zu stellen wagen sollte.
Schon zum Sonnenaufgang bin ich heute in der Früh auf einen Berg hinauf, hatte einen mir dort schon lange gut bekannten Wald fotografieren wollen. Leider spielte das Wetter nicht mit. Statt dichten Nebels gab es Wolken, die im Tal und auf den Niederungen auflagen. Ich war unzufrieden, blieb trotzdem noch etwas dort und konnte schließlich doch das eine oder anderen Bild im Wald improvisieren. Der Wald, der herrlich von Schnee und Frost bedeckt war, blitzte im frühen Sonnenlicht umso heller auf. Jeder Schritt darin schmerzte. Spuren, die ich eigentlich nicht hinterlassen wollte. Nicht einmal, weil ich um einen anderen, späteren Besucher fürchtete, sondern weil ich nicht jener sein wollte, der diese Szenerie antastete. Nur, ohne ist es mir nicht möglich.
Ich ließ es schließlich dabei bewenden, zog von dannen bevor ich noch hätte jemandem begegnen müssen und fuhr zu einer anderen Höhenlage hinauf. Die Straße war gesperrt, doch trotz des Schnees ging es ein gutes Stück, bis ich an meiner angedachten Parkmöglichkeit angelangte. Dort ging es zu Fuß weiter. Erst noch ein Stück die verschneite Straße hinauf, dann davon ab und über freies Feld. Nur, gesehen hatte ich absolut nichts. Es war alles weiß. Weiß in Weiß. Denn es hatte Nebel, und war kalt. Dichten Nebel sogar. Die Landschaft war weiß, der Himmel war weiß. Dazwischen nur ich. Nun, ich fand den Weg schließlich doch. Buchen waren es, die ich wenigstens heute noch einmal aufsuchen wollte, bevor ich weitermusste. Allerdings, und das muss man sagen, war der Weg dahin doch unendlich anstrengend. Trotzdem, gelohnt wird es sich haben. Und wenn es nur war, um dort ganz allein als Gestalt im ewigen Winterweiß unterwegs zu sein.
2026/01/30