Vielleicht bin ich mir selbst ein Rätsel.
2022/12/03
Es gibt bessere Gefühle als das irrationale Gefühl nicht mehr sein zu wollen. Auch wenn es sich nicht danach anfühlt, bedeutet es eigentlich nur, sich nicht fühlen zu wollen, wie man es gerade tut. Leider ist genau das nahezu unerträglich. Es ist kein Schatten, sondern Druck der auf der Seele lastet. Es sei denn Schatten wiegen.
Heute Morgen war ich bei Temperaturen um die Null Grad herum mit dem Rad wieder alleine in meiner Heimat unterwegs; ich erkundete einen neuen Abschnitt, auch dort wunderschön (die Kälte, der Nebel, das Morgenlicht und die letzten Herbstfarben). Trotzdem frage ich mich, Stunden später, ob das alles ist, was vom Leben für mich bleibt (es ist). Wenige Stunden, an jedem Morgen. Vor allem nach gestern Abend und heute Nacht. Ich träumte von einer früheren Freundin; auch wenn ich nicht weiß, wieso das noch immer …
Einer dieser Tage, an denen ich am liebsten nicht weiter existieren würde, läuft doch meine Seele Sturm gegen mich.
Ich stelle mir manchmal vor, dass es Worte und Sätze sind, die auf mich warten. Dass ich, wenn ich mich nur ein wenig weiter durch das Leben trage, zwar keinem Menschen begegnen werde aber doch dem einen oder anderen, das ich schreiben möchte und das mir gefallen wird. Schließlich war das bis jetzt noch immer so gewesen; und ist damit vielleicht genug, um wirklich daran glauben zu können. An Worte, die ich irgendwann und irgendwo auffinden werde.
2022/11/26
Stell Dir vor, Du würdest nichts aus Deinem Inneren einem anderen erzählen.
Stell Dir vor, Du würdest Dein ganzes Leben nur vor Dir selbst leben.
Stell Dir vor, Du würdest jeden Tag in dem Bewusstsein verbringen, dass Du alleine sein wirst.
Stell Dir vor, jeder Tag wäre der einsamste Deines Lebens.
2022/11/25
Immer friert mir die Seele;
doch nur im Winter der Körper.
2022/11/24
Wie wird das Gefühl genannt, mit jemandem reden zu wollen aber niemanden zu kennen? Leben. Man nennt das für gewöhnlich Leben. Wenn vielleicht auch ein Einsames.
Auch dreißig Jahre eines Lebens scheinen zu niemandem zu führen, sondern nur weiter in die Ferne. Vielleicht hat, wer lebt und ist wie ich, keine Freunde, keine Bekannten, sondern nur sich selbst.
2022/11/23
Erst hatte ich aufgehört nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu sehen, dann an sie zu glauben. Es ist dunkel, in der Nacht, und auch am Tag, doch eine Spur weniger. Es sind Nuancen, nichts, das wirklich trennen würde. Weder Tag und Nacht, noch mich und das Vergangene. Im Regen, der fällt, als sei er die Luft, die wir zu atmen hätten, hat sich alles, aber auch wirklich alles längst aufgelöst.
Es hatte geregnet, ohne Pause und Unterlass, so lange, bis sich alles endgültig darin aufzulösen schien, vielleicht sogar wir, die wir doch selbst kaum noch etwas anderes als Nuancen waren, so wie auch Tag und Nacht längst nur noch ein und dasselbe schienen. Allenfalls der Grad der Dunkelheit schwankte ein wenig, so wie das manchmal auch der Fall war, wenn sich eine verirrte Wolke, vielleicht in einem Anflug von Verwegenheit, für …
Tausende Kilometer habe ich zwischen Dich und mich gebracht, doch im Vergleich zur Distanz, die Du mit Worten in Sekunden geschaffen hast, sind sie unbedeutend. Distanz, größer als ein ganzes Leben. Und ich suche nach Worten, für diese Distanz, die ich verspüre, doch verkenne dabei, dass Worte selbst Distanz bedeuten. Sie sind nichts als Entfremdung, ein peinliches Stochern im dichten Nebel, der sich für niemanden lichten wird – weder für mich, noch einen anderen. Und manchmal, wenn ich an uns beide denke, ist mir, als wäre ich zwar vom einen bis zum anderen Ende der Welt gegangen, doch in Wahrheit keinen einzigen Meter weit gekommen. Nur vor Dir, vor Dir schien sie sich zu verneigen, die Welt. Sie lag Dir still und ergeben zu Füßen, während Du einfach stehengeblieben bist, nichts von alledem gesehen hast und doch glücklicher warst, als …
Wir alle,
die wir träumen,
erleiden irgendwann Schiffbruch,
vermag doch kein Traum der Welt das Leben.
2022/11/01