Während der Morgendämmerung ereignet sich ein bestimmtes, allenfalls wenige Minuten andauerndes Zusammenspiel, bei dem es ist nicht länger zu dunkel, die Nacht alleine wäre nur schwarz und farblos, aber auch noch nicht zu hell ist. Die blaue Stunde gilt, erste Details in den Tiefen werden gleichermaßen erkennbar, wie dass das Licht der Leuchttürme noch einen Schein, etwa als Reflektion auf Wasser und Felsen, hinterlässt, bevor es das voranschreitende Taglicht überlagern wird. Es ist ein Dazwischen, eine Vereinigung aus beiden Welten; und damit Perfektion. Nur kurz dauert dieser von Sonne, Mond und Wolken bedingte Moment an; und ich versuche wieder und wieder ihn zu fotografieren, wenn ich am Meer und zwischen Leuchttürmen unterwegs bin. Es ist, wie ich finde, die „Sternstunde“ der Leuchttürme, denn nie leuchteten sie schöner als in diesem Zeitfenster.
Hell wandert das Licht durch die Nacht; und ich bin immer wieder fasziniert davon, dass der Lichtkegel des Leuchtturms tatsächlich auch als solcher zu sehen ist, so als würde er buchstäblich die Luft durchschneiden. Dieser steht auf einer kargen, weit vorgerückten Landzunge, ist nur umgeben von zwei, drei augenscheinlich schon seit langem verlassenen Häusern. Fast ein wenig unheimlich ist es hier, der ich erst spät in der Nacht eintreffe; zumindest dann, wenn ich meine Nächte nicht häufig an solchen Orten verbringen würde, von denen ich irgendwann einmal gehört oder ein vielversprechendes Bild gesehen hatte. Freilich, meist bei Tage und nicht gottverlassen um Mitternacht. Am nächsten Morgen, noch in der Dunkelheit, stehe ich rechtzeitig auf – es ist mein Geburtstag; und ich tue, vielleicht gerade deshalb, was ich immer tue. Ich erkunde den Ort, anfangs noch im Taschenlampenlicht und suche nach Blickwinkeln für einen möglichen Sonnenaufgang. Ich werde fündig; und gleich wie farblos der bedeckte Himmel in der Nacht noch schien – schon in der frühesten Morgendämmerung zeichnen sich erste Himmelsfarben ab, die sich ein wenig später dann auch vollends entfalten. Ich fotografiere so gut es mir gelingt, noch immer ist es teuflisch windig, und kurz darauf, der Himmel nun wieder grau und einfältig, bin ich auch wieder unterwegs, zu einem anderen Ort. Etwas mehr Ruhe hätte ich mir vielleicht gewünscht, an diesem Tag, doch bei solchen Farben als Geschenk, werde ich mich nicht beschweren wollen. Gegen Mittag komme ich dann an, und sehe fast den Rest des Tages auf das Meer hinaus, bis es an der Zeit ist, nun auch hier, zwischen Felsen und Sträuchern, nach möglichen Motiven für die nahende Dämmerstunde zu suchen. Und auch heute steht eine weitere Fahrt durch die Nacht an, immer an der Küste entlang. So also begann mein Geburtstag, und so endete er. Alleine, unterwegs und fotografierend.
Doch manchmal ist mir, als müsste mehr haften bleiben, wenigstens von diesem einen Tag im Jahr, gehen doch all die anderen, die Zeit, längst so mühelos an mir vorüber, dass ich nur ungläubig die Stirn runzeln kann. Doch wie, wie könnte einmal mehr bleiben, wenn selbst das stundenlange Hinaussehen auf das Meer mit einem einzigen Blinzeln unumstößlich zu Vergangenheit wird?
2025/03/23