Mein Leben mag mich zu diesem verborgenen Pfad an den Klippen geführt haben; kein Leben aber dazu, dass ich einmal mit einem anderen hier wäre, zeigen könnte, was ich hier vor langer Zeit einmal gefunden und nicht vergessen habe. Das ist ein Fakt, keine Befürchtung.
Nein, wahrlich kein schlechtes Geschenk für meinen soundsovielten Geburtstag, dass ich heute die wohl schönste Bucht aufgetan habe, die ich nun kenne. Gestern noch entschied ich spontan, einen weiteren Tag in der Gegend zu bleiben, sah tags darauf der Morgendämmerung hoch oben auf einem exponierten Felsen am Meer entgegen und verlagerte dann meinen Standpunkt geringfügig dorthin, wo wohl kaum jemand vorüberkommen und mich stören könnte. In kaum hundert Metern Entfernung bricht die Wiese zu Bucht und Strand hin ab. Ich suchte dort einen Abstieg, entschied mich aber dagegen, weil er zu steil und nicht verlässlich schien. Also ging ich weiter, fand schließlich bei einer verwitterten Parkbank in einem Einschnitt einen Pfad, der kaum erkennbar ins dichte Gebüsch führte. Diesem folgte ich, zwängte mich zwischen Dornengestrüpp stetig am Steilhang entlang, bis sich mir der Blick unverstellt auf die Bucht offenbarte und ich nach kurzer Überlegung entschied, auch die letzten Meter am unbefestigten Hang bis ganz nach unten zu steigen. Ich griff fest in die Grasnarbe, bohrte meine Stiefel in den Hang und kletterte dann noch am Felsen ab. Dann, endlich die kleinen Steinchen des Strandes zu Füßen, blauer Himmel, Sonnenschein von Landeinwärts von hoch oben über der Klippe. Stark. Nie hätte ich gedacht, dass dieser räudige und kaum wahrnehmbare Pfad tatsächlich bis ganz nach unten führen würde. Ich erkundete den Strand, fotografierte ein wenig und entschied, dass er als Motiv zum Sonnenaufgang mindestens einen Versuch wert wäre, soweit es Wetter und Flut denn einmal zulassen.
2026/03/22
(Bei meinem Aufstieg nehme ich, wieder oben angekommen, im Schatten einiger Bäume auf einem Treppchen Platz; ein einsames Häuschen mit einem überschaubaren Grundstück ist hier, das von einer niederen Mauer umgeben ist. Aus einer undichten Leitung zischt Wasser, ich erfrische mich damit. Gut tut das, der rasche Aufstieg brachte mich zum Schwitzen, angenehmer Wind hin oder her. Ich sitze nicht hier, als gehörte das Anwesen, das ich kurzerhand betreten habe, mir, wohl aber als einer, der es auserkoren hat, um zu rasten. Erst hier geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass in einem anderen Leben nun jemand bei mir sein, hier und jetzt neben mir sitzen könnte. Am Aussichtspunkt, das Meer tiefblau vor uns, hätte sie gesagt, schön sei es hier. Ich hätte genickt, ein Foto von ihr aufgenommen und ins Gebüsch gezeigt, gesagt, hier gehe es entlang und uns Stück für Stück über Stock und Stein den Pfad hinuntergeführt. Ehrlich gesagt bin ich gar nicht sicher, ob ich jemandem den Abstieg hätte zumuten können. Stiefel wären Pflicht gewesen, ein Seil ebenso wenig verkehrt. Andererseits hätte ich absichern, für ein kleines Plus an Sicherheit sorgen können. Allerdings fürchte ich auch, dass wenn wir tatsächlich zwei gewesen wären, wir über kurz oder lang zu einer dieser Einheiten verschmolzen wären, wie es mir immer ein wenig negativ aufgefallen war, wenn ich ein solches Pärchen sah. Ich hätte immer um die Individualität des Einzelnen gefürchtet. Andererseits, wann käme diese eher zur Geltung, wenn nicht dann, wenn sie eines viel zu frühen Tages wieder fortginge, ich alleine zurückbliebe?)