Kennst Du das, wenn Du nach längerer Zeit einem Freund einmal wieder einen Besuch abstattet und dieser Freund dann, trotz Deines Besuchs, nicht bester Stimmung ist? Und es war ja ohnehin so gewesen, dass Du, weil Du es schon ahntest, Wochen verstreichen ließt, weißt Du doch nur zu gut, dass Du schon selbst alle Hände voll damit zu tun hast, bloß nicht an das falsche zu denken, immer auf der Hut bist, nicht Deinen eigenen Gedanken und Stimmungen zum Opfer zu fallen. Trotzdem zwingst Du Dich, bleibst länger, auch wenn Du eigentlich schon wieder hattest gehen wollen. Doch es geschieht, Dein Gegenüber taut auf, findet mit seinen Worten zurück zu einer etwas besseren Stimmung, vielleicht lacht ihr sogar vereinzelt. Aber weißt Du, was ich mich dann frage, wenn ich wieder unterwegs bin, alleine nun? Wer dieser jemand für mich ist, auf dass ich selbst aus einer Stimmung herausfinden könnte. Und noch gestern Nacht dann dachte ich daran, wie das gewesen war, vor bald zehn Jahren. Dass ich seinerzeit tatsächlich regelmäßig in eine andere Stadt gefahren war, um dort, fast schon als Selbstverständlichkeit, die Wochenenden mit einem anderen Menschen zu verbringen. Aber was mich daran fasziniert, ist nicht diese Sache selbst, sondern wie alleine man damit gewesen war, als all das in Windeseile zusammengebrochen war. Ich meine, es interessierte keinen, dass man diesen Verlust erlebte; und noch viel weniger, dass es immer, und ausnahmslos, bei diesem Verlust geblieben war. Ich glaube, man war nie einsamer gewesen.
2025/06/27