Längst habe ich aufgehört die Tage zu zählen, an denen ich mich einsam fühle. Zu viele sind es geworden. Vielleicht sollte ich lieber jene zählen, an denen das anders war. Nur, was hätte ich dann zum Zählen?
2021/07/23
Längst habe ich aufgehört die Tage zu zählen, an denen ich mich einsam fühle. Zu viele sind es geworden. Vielleicht sollte ich lieber jene zählen, an denen das anders war. Nur, was hätte ich dann zum Zählen?
2021/07/23
Eine schöne Erzählstimme hätte ich, sagte man einmal. Schade eigentlich, dass ich so selten von ihr Gebrauch machte. Mir selbst ist sie seltsamerweise nie fremd geworden. In meinen Gedanken und Selbstgesprächen hatte sie mich stets begleitet. Sie klingt darin mit, ganz ohne dass sie für einen anderen zu hören wäre. Einzig und allein ungewohnt ist sie mir zuweilen vorgekommen, wenn ich doch einmal ein Wort an einen anderen Menschen richtete. So als müsste man sich nach all dem Schweigen wieder an das Sprechen, und den äußeren Klang der eigenen Worte gewöhnen.
2021/07/18
Die größte aller Selbst-Lügen, das Schreiben. Und doch kann ich noch nicht davon ablassen. Ich will wohl versuchen festzuhalten, wer ich gewesen bin. Ich will, vermute ich, etwas erschaffen, dass ich, wenn nicht ganz, so doch zumindest teilweise war. So als könnte man mich hier, wenn ich nicht mehr bin, kennenlernen. Auf dass ich, wenn schon nicht in einem anderen, wenigstens in Worten verbleibe.
2021/07/18
Das ist er nun also, der fünfte Sommer in Folge, den ich alleine verlebe. Schön ist es in letzter Zeit. Nicht das Leben selbst, alleine wie ich bin, aber doch das Wetter. Der viele Regen zu Beginn des Monats, und noch immer ist es nicht zu warm, und vor allem die Sommerabende ungemein angenehm. Ich gehe wieder regelmäßig Laufen, früh am Morgen, und fahre oft mit dem Rad eine meiner Touren. Am Abend lese ich, Rilke zurzeit, unten am Fluss, unweit des Parks. Die Menschen lasse ich rasch hinter mir, suche mir viel lieber ein etwas ruhigeres Plätzchen. Ein wenig hat sich das gewandelt mit den Jahren. Manche der Orte, an denen ich früher noch so viel Zeit verbracht habe, kann und mag ich heute nicht mehr aufsuchen. Sie fühlen sich nicht länger richtig an. Zu lange schon war ich …
Man kann es ihnen ansehen, an der Art und Weise wie sie gehen, und ihrer Kleidung. Ob sie einsam sind, und wie ihr Leben ist. Davon bin ich heute felsenfest überzeugt. Ein Blick genügt, selbst auf die Ferne hin.
2021/07/17
Dass mein Leben anders war als das der wenigen Menschen um mich herum, steht mittlerweile fest. Ich habe die Abwesenheit der menschlichen Nähe, die ich doch so oft spürte, zu ersetzen versucht. Die Gespräche und Erzählungen mit dem Schreiben, die Gefühle und Euphorie durch Musik. Berufliche Herausforderung und Erfüllung durch Kunst, und die Sehnsucht, und Geborgenheit, durch mein zahlreiches, einsames Nächtigen in der Einöde, und der Ferne. Es ist mir nicht mit allem gelungen. Manches, das andere fühlen und wonach sie sich sehnen, verschwand mit der Zeit auch von alleine. Vielleicht muss ich dankbar dafür sein. Und doch, ganz lässt sie sich nicht füllen, die Lücke, die die Abwesenheit der Intimität, und des Zweisamen in meinem Inneren hinterlassen hat.
2021/07/17
Es hört nicht mehr auf, will nicht mehr weggehen. Was hört nicht mehr auf? Die Einsamkeit, sie klebt mir wie Schmutz an der Seele. So sehr, dass ich mir wünschte, ich wäre nie geboren worden. Das ist nicht schön. Was haben Sie denn bislang dagegen getan? Ich habe versucht sie abzuwaschen. Nur, wenn dann am Ende zwar meine Seele bleibt … wo bin ich dann noch in alldem? Haben Sie denn Freunde? Nein, nicht wirklich. Und einen Partner, Partnerin? Das ist lange her. Wissen Sie, ich bin auch nur ein Mensch … was soll ich Ihnen schon sagen. Leben Sie. Wie soll ich leben, wenn da nichts anderes mehr ist? Wie soll ich leben, wenn ich an jedem Morgen doch nur im Gestern aufwache? Und ich mich erinnern muss, an diese Einsamkeit? Das weiß ich nicht, vielleicht weiß niemand das. …
Die Stadt ist nicht groß, aber groß genug um einander kein zweites Mal zu begegnen. Zumindest nicht jenen, bei denen ich es gerne würde. Im Grunde ist die Stadt, in der ich lebe, damit wie das Leben selbst. Sie ist ein Ort, an dem wir aneinander vorübergehen, uns vergessen und niemals wiedersehen. Ein Ort ohne jede Vergangenheit, noch Zukunft. Ein Ort, an dem ich einst glaubte alles sein zu können – und am Ende doch nichts gewesen war.
2021/07/12
Gestern Abend bin ich spontan auf eine kleine Reise aufgebrochen. Eine Strecke, die ich von hier aus schon oft angetreten bin. Damals, im Frühjahr 2018. Ich fuhr frei dahin, hörte dieselbe Musik wie seinerzeit, erinnerte mich und sprach vereinzelt mit mir selbst. An Freitagabenden sind die meisten Menschen gemeinsam bei und mit anderen unterwegs, dementsprechend verlassen lagen die Straßen in der Abenddämmerung vor mir. Selten hat das Fahren auf diesem Abschnitt so viel Freude bereitet. Kurz vor Mitternacht war ich angekommen, schlief in meinem Schlafsack unweit einer kleinen Kapelle. Routine, schon einige Male war ich jetzt auf diese Art und Weise dort angekommen. Auch wenn es damals mitunter Schnee und Minusgrade gehabt hatte. Am Morgen, noch vor fünf Uhr, hatte ich fotografiert, weit und breit kein Mensch. Der Nebel lichtete sich vereinzelt, ich fuhr in Richtung Heimat. Ich muss sagen: …
Nur ein Narr würde nach drei Jahrzehnten nicht ahnen, was auf ihn wartet.
2021/07/08