Stille ist nicht das Fehlen von Geräusch, sondern dem anderer Menschen. Stille ist, wenn ich nur höre und wahrnehme, was ein Teil von mir ist,- und sein soll. Stille ist einzig dort, wo Freiheit ist. Dort, wo ich alleine bin.
2021/09/28
Stille ist nicht das Fehlen von Geräusch, sondern dem anderer Menschen. Stille ist, wenn ich nur höre und wahrnehme, was ein Teil von mir ist,- und sein soll. Stille ist einzig dort, wo Freiheit ist. Dort, wo ich alleine bin.
2021/09/28
Nur das, was wir alleine sind, sind wir wirklich. Alles andere? Ist ebenso banal wie fremd, denn es ist länger zuzuordnen. Eigen, und einzig Mein will ich sein.
Ich fühle mich heute nicht anders, wie ich es vor zehn Jahren tat. Ich folge weiter eigenen Wegen, während die Mehrheit jener, denen ich begegnete und begegnen werde, die Wege anderer gehen. Ich scheine alles, das dazwischen war, abgelegt zu haben, noch dass etwas von ihnen in mir verblieben und Wurzeln geschlagen hätte. Ich bin, was ich vielleicht schon immer gewesen war – alleine.
2021/09/26
Vor den Fenstern beginnt es zu regnen, die Felder und Wiesen werden nass, das Schilf und die Weiden, sogar die Rehe hinter dem Haus. Und ich erinnere mich, an einen Ort am Ende der Sehnsucht, an dem selbst die Ferne wieder zum Nahen geworden war. Einen Ort, den wir irgendwann nur noch Mitte Ende August genannt hatten. Vielleicht gerade deshalb, weil er weder das eine noch andere, sondern immer wie ein Anfang für uns gewesen schien, wenn es gerade das war, was wir am nötigsten brauchten.
So weit die Seele trägt, so weit wollten wir gemeinsam gehen. Und weil wir nicht mehr wussten, wohin mit uns und schon lange niemanden mehr kannten, den wir um Rat hätten fragen können, sind wir kurzerhand eingestiegen und durch die Nacht gefahren. In den Norden zog es uns, ohne dass wir damals hätten sagen …
Unerwartet liegt an manchen Tagen etwas in der Luft, das mich für einen Augenblick an Früher erinnert. Vielleicht ist es der Wind auf meiner Haut, die Temperatur, ein kurzer Nieselregen oder Geruch, der mich für einen winzigen Moment streift. Es zieht mich dann mit, um unzählige Jahre zurück an irgendeinen Ort. Oftmals fühle ich mich an einzelne Abschnitte früherer Reisen erinnert. Reisen, auf denen ich alleine irgendwo in der Ferne unterwegs gewesen war. Manchmal aber auch sehe ich dann uns beide vor mir, gemeinsam durch den Park spazierend. Selten ist das geworden. Ich glaube, es ist die einstige Vertrautheit, die irgendwo in mir hängengeblieben sein muss, ungeachtet des jahrelangen Schweigens. An einem Ort in mir, am dem ich nur noch selten vorüberkomme. Vielleicht finde ich, ohne den Impuls von außen, schlicht den Weg nicht. Ich muss wohl einst, ganz ohne, …
Ich glaube es ist die Einsicht, dass man irrelevant gewesen ist, die am Ende blieb, und doch ungemein schwer zu begreifen war. Schließlich war man, trotz allem, noch immer Mensch gewesen. Vielleicht nicht für andere, aber doch vor sich selbst. Ich habe all die Jahre in einer Welt gelebt habe, in der ich einsam gewesen bin.
2021/08/24
Draußen vor dem Fenster geht der Mond auf. Erst tritt er hinter fernen Dächern hervor, wandert dann lautlos den Himmel hinauf. Schön wäre das, unerwartet und spät in der Nacht vertrauten Besuch zu bekommen, denke ich mir. Allem voran wohl an Freitagabenden, ganz besonders jenen des Frühlings, die der Einsamkeit wegen leider längst jedem anderen Tag und Abend gleichen. Abende, die nicht so sein sollten, ist es doch Frühling, und damit Aufbruch. Ein Überbleibsel einer früheren Beziehung, vermute ich, dass den Wochenenden trotz allem noch immer eine besondere Bedeutung anhaftet, gleich wie lange es her sein mag, dass ich sie an jemandes Seite verbrachte. Vielleicht im nächsten Leben, sage ich mir stattdessen, während der Mond davon unberührt weiter steigt und steigt. Im nächsten Leben, so als gäbe es tatsächlich eines; und ich würde es nicht längst besser …
Ich glaube, dass es wesentlich mehr Courage erfordert, nie wieder zu sprechen, statt an jedem Tag Tausende von Dingen zu sagen, die am Ende doch nichts bedeuten. Auch auf die Gefahr hin, dass ich für immer schweigen werde, will ich es doch so lange tun, bis ich etwas zu sagen habe, das tatsächlich von Wert ist.
2021/08/18
Einsamkeit ist Distanz, doch nicht zu anderen, sondern zwischen mir und dem Schatten, den sie auf mich werfen, selbst wenn es aus dem Unbekannten heraus geschieht. Dort, wo all jene sind, von denen ich nicht einmal weiß und sie doch sehnsüchtig vermisse. Ich glaube einsam sein, heißt sich fern fühlen.
Ich habe einmal gelesen, dass Einsamkeit nur ein anderes Wort für Distanz sei, wäre sie doch nur in Relation, zwischen dem einen und anderen, wahrzunehmen. Das Maß für Einsamkeit sei demnach der Abstand zweier Schichten. Der Abstand vom Äußeren, zum Inneren. Zwischen mir, und den Kleidern, die ich trage; und vielleicht auch ein wenig zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich fühle. Doch eine Einheit, die diesen Abstand zu quantifizieren vermag, gibt es nicht, müsste sie sich doch mindestens über die Orte, die Zeit und die Erinnerungen unseres …
Noch immer erinnere ich mich gut daran, wie das gewesen war, vor etwa fünf, sechs Jahren. Man schrieb sich, meist spät am Abend, nachdem man von viel zu langen und oftmals ermüdenden Vorlesungen endlich nach Hause gekommen war und nun bei einem Happen zu essen mit dem Notebook in der kleinen Küche saß. Oder an Samstagmorgen- und Abenden, kurz nach der Rückkehr von kleineren Streifzügen und nun jede Menge zu erzählen hatte. Erzählungen von schönen Orten in der Umgebung, unerwarteten Alltagsbeobachtungen, Erinnerungen und Träumen oder gar Geheimnissen, die man unbedingt vom anderen erfahren wollte. Schön war das gewesen, sich so zaghaft und überlegt kennenzulernen und mit jedem Wort, geschrieben wie gelesen, mehr und mehr ineinander zu wachsen. Seitenlange E-Mails, ganz fern heutiger Kurznachrichten, die nicht weniger liebevoll verfasst wurden als handgeschriebene Briefe. „Eine neue Nachricht“ im Postfach, bedeutete doch so …
Ablegen will ich es, mein Menschsein. Mit jedem Tag, den ich lebe, hier in dieser Welt, geschieht das auch von ganz alleine. Ich wachse hinaus, löse mich ab. Stück für Stück werde ich vom einen weniger, und vom anderen mehr. Doch ein Teil verbleibt, klammert sich mit all seiner Kraft fest, so als gälte es nun. Ausgerechnet jetzt, wo es doch all die Jahre egal gewesen schien, dass so vieles aus mir hinausgeflossen war, in meinem Inneren nichts mehr zu wachsen vermochte. Dieses Fragment, das nicht gehen will, ist Grund für das Unglück. Das Unglück, überhaupt geboren und am Leben zu sein. Weil es sich erinnert. Und weil es mich erinnert. Daran, was es einmal bedeutet hat, Mensch gewesen zu sein. Daran, wie es war, als ich ein Gesicht mein Eigen nennen konnte.
2021/08/08