Mir gefällt der Gedanke an eine Melodie, die in leichten Variationen über die Spielzeit zu begleiten weiß, die niemals zu aufdringlich, stellenweise kaum wahrnehmbar ist, doch die sich schließlich, in der letzten, vielleicht alles entscheidenden Szene angelangt, zu voller Kraft aufschwingt. Erst jetzt wird deutlich, was insgeheim längst bekannt war: dass sie schon das ganze Leben hindurch dagewesen, nichts je wirklich ohne sie gewesen wäre. Und diese Melodie, der es gelingt, unaufgeregt und dabei ebenso wunderschön wie traurig zu sein, lässt mich fühlen. Diese Melodie,- sie ist Mensch.
Ein Film, der eher gemächlich, fern großer, nach Aufmerksamkeit haschender Geschehnisse beginnt, und gemächlich weiterging. Und ich schaute, ein wenig müde vielleicht, und wartete darauf, dass etwas Schlimmes geschehe, denn Glück, und unbeschwerte Kindheitstage, sind nur selten für immer. Und auch wenn da immer so eine Ahnung mitschwang, ein vager Schatten über allem zu sein schien, geschah doch nichts dergleichen. Die Reise nahm ihr Ende, die letzte Szene, das letzte Bild, eine Verabschiedung am Flughafen. Ich sah sie, war wach geworden; und die Musik setzte ein, und alles fügte sich. Keine Sekunde habe ich gebraucht, um zu fühlen, dass das ein großartiges Lied ist. Keine Sekunde habe ich gebraucht, um zu begreifen, worum es in diesem Film gegangen war. Tags darauf habe ich es wieder angehört, dieses Lied, und plötzlich Tränen darüber verloren. Die ersten in Jahren, seit Märzengrund wahrscheinlich, geht mir doch, alleine wie ich bin und bleibe, selten etwas nahe genug. Ich konnte dahintersehen, fühlte für einen Moment mehr, als dass ich es verstand. Oliver Coates mit One Without in Aftersun (2022).
2025/02/24
(Weißt Du, was ich dachte, wie ich sie sah, Sophie meine ich, nachdem sie von einem Traum, halb Erinnerung, halb Phantasie, unsanft erwacht war? Dass sie, gleich des Verlusts, ja doch nie alleine gewesen war. Wieso hätte oder gar müsste sie das auch gewesen sein, magst Du entgegnen. Ja, wieso eigentlich? Vielleicht, weil ich gehofft hatte, dass sie eine von uns hätte werden können. Vielleicht hätte ich aber auch weniger über sie als ihn nachdenken sollen. Denn er war es gewesen, der im letzten Augenblick ausgesehen hatte, wie der einsamste Mensch der Welt. Er war es, der sich mir eingebrannt hatte.)