Abenddämmerung, Himmelsfarben. Ich gehe über den Steg, unweit der Eisernen Brücke. Zu meiner Überraschung habe ich dabei nicht länger jemanden vor oder hinter mir. Ich liebe das, wenn mir das hier geschieht; und alles ganz leer und verlassen vor mir liegt. Die Vögel zwitschern in der Dämmerung, ganz anders als noch am Morgen. Ich bleibe stehen, lehne mich ans Gelände, sehe still und etwas starr auf die kahlen Bäume, den Fluss. Dahinter Stadtlichter, zarte Himmelsfarben darüber, eine Mischung aus rot- und blaugrau. Ich verliere mich ein wenig darin. In der Melancholie, dem Augenblick. Die Luft ist kühl und doch ganz anders. Der Frühling naht. Auch der Vogelrufe wegen weiß ich das nun. Eine vage Erinnerung ereilt mich, der Leopoldsberg, Wien im Frühling. Eine Stadt ist etwas anderes, so aus der Ferne. Zusammen flüsternd, unter blauem Nachthimmel. Auch hier ist es anders, wenn ich einmal alleine in allem bin (als wäre ich’s nicht immer schon gewesen).
2019/02/20